Umarme und Liebe mich, Leben … umarme und liebe mich, Tod! *

Was wäre gewesen, wenn ich dieser Frau früher begegnet wäre. Das ist eine Frage, die mich beschäftigt, seit ich das Buch „Umarme und Liebe mich, Leben… umarme und liebe mich, Tod!“ von Bettina Breda-Betting gelesen habe. 

Hätte ich diese Frau beneidet, bewundert, ihr nachgeeifert, wäre mein Selbstwertgefühl noch weiter in den Keller gesunken, hätte ich gerne von ihr gelernt, mich von ihr in die Geheimnisse des Lebens, des Könnens und der Liebe einführen lassen. Vielleicht hätte ich auch von der ihr so besonderen unerschütterlichen Tatkraft mir einiges abgeschaut und ebenso wie sie erarbeiten wollen, oder wäre sie für mich einfach nur furchteinflößend gewesen? Ich denke diese Frage wird sich endgültig und konkret nie beantworten lassen. 

Es ist und bleibt eine Spekulation, vielleicht auch ein Traum, oder gar ein mich selbst klein machen. Letzteres lässt sich bei näherem Hinsehen und der eigenen Ehrlichkeit mir selbst gegenüber noch überdenken. Doch wie auch immer, nicht nur das Buch mit der Lebensgeschichte dieser interessanten Persönlichkeit faszinierte mich, auch die Art und Weise, wie sie dem Leben, den Widrigkeiten, mit ihrer Kraft und Energie alles abtrotzte was sie hindern konnte den Weg zu gehen, den sie sich vorgenommen hatte. Ich denke ihre Träume und Visionen waren es, die immer wieder sie, nicht nur in ihrem Können bestätigten, sondern ihr auch den Mut gaben, sich nicht als Frau innerhalb einer Männerdomäne in der damaligen Zeit, nur auf die 3 berühmten „K“festlegen zu lassen.  Sie wollte, musste und wurde ernstgenommen. Keiner dieser noch so berühmten und hochgestellten Persönlichkeiten verweigerte ihr, wenn auch oft zähneknirschend ihre Forderungen, und auch schweren Herzens das Wohlwollen und die Anerkennung. 

Sie wollte sich nicht, mit Gedanken an ernsthafte unweigerlich auf sie zukommenden Konsequenzen aufhalten. Sie stellte sich ihnen einfach beherzt entgegen und entging somit vielen Niederlagen. Die Niederlagen waren nicht die ihren, sondern meist die Derer welche sie in diese trieben oder hinein quetschen wollten. Selbst den Widrigkeiten des Naziregimes trotzte sie geschickt und unkonventionell um ihre Pläne immer wieder ohne sich je Parteilich engagiert zu haben. Bettina Breda hatte immer ein Ziel, auch wenn das Ziel im Augenblick noch nicht sichtbar war. Sie packte an und dann beschritt sie einfach den Weg. Das Motto: „der Weg ist das Ziel,“ könnte man ihr auf die Fahne schreiben.

Viele der jungen und unmotivierten Menschen unser augenblicklichen Zeit und dem damit verbundenen Zeitgeist täten gut sich von der Schriftstellerin, oder auch anderen die wachen Geistes sind, ein Stück in ihren Alltag hinein zu holen. Dann wären die Menschen nicht mehr so unentschlossen, depressiv, und hätten wieder richtige Ziele. Sie würden sich nicht von parteipolitischen Dogmen, Vorgaben, aufgezwungenen Maßnahmen und Entscheidungen des Staates, Ängsten und Horror Szenarien schüren, einlullen und leiten lassen. Sie würden wieder beginnen ihren Kopf, oder besser noch ihren Geist zum Denken einschalten, und aus dem Denken heraus handeln. Dann wären die im Augenblick in unserer Welt stattfindenden Vorkommen und Verstrickungen besser zu verstehen und damit auch zu bewältigen. Denn jeder denkende mit seiner geistigen Fähigkeit verbundene Mensch, ist nicht nur ein jammerndes Elend, das der Welt die Kraft entzieht, sondern richtungsweisend mit seiner eigenen weit blickenden Intuition ausgestattet, voller Energie, Stabilität und einem nicht zu unterschätzenden Entwicklungspotential ausgestattet und dadurch ein wichtiger Teil innerhalb unserer Gesellschaft und kann viel bewirken. 

Olga hatte eine weitere Fähigkeit, die sich besonders mit der Liebe beschäftigte. Sicherlich war sie was dem ein und anderen sogenannten Moral Apostel oder Kirchentreuen aufstoßen könnte, Zeit ihres Lebens eine sehr offene Person, was Zärtlichkeiten und Sexualität betrafen. Sie nahm sich nicht nur was sie bekommen konnte, ihr geboten wurde, oder in ihrem Herzen Einzug hielt. Nein, sie bekam es schlichtweg. Denn sie war offen in ihrer Wesensart. Sie war nicht nur für den Alltagsprozess und das Leben im Allgemeinen geeignet, sondern auch für die Liebe. Auch eine tiefer Liebe zu empfinden, und zu geben die nicht immer auf der Ebene der Sexualität ihren Anspruch sucht und fand. Sie hat es unendlich gut verstanden, dass das Einzig wichtige im Leben nicht nur die Liebe ist, sondern alles von ihr abhängt. Sie liebte mit Haut, Haaren und vor allem mit dem Herzen. Schauen wir in ihrem Buch die Lebensgeschichte einmal aus einer tieferen Perspektive an, dann müssen wir feststellen, die Liebe war der Motor für alles, was sich immer wieder in ihrer Arbeit, in ihren Alltagsproblemen, ihrer Energie, ihrer Ausdauer und Ihre Vision zeigte und widerspiegelte. Daraus, nur daraus konnte und schöpfte sie ihre Kraft so viel zu tun, zu erreichen und so breit immer wieder sich neu zu orientieren und zu finden. Wir Menschen bekommen für unser Leben oft eigenartige „Geschenke“ in die Wiege gelegt, die wir einerseits nicht verstehen, andererseits mit unseren Moralvorstellungen oder Reglements, Vorschriften und Gesetzen zerrstören. Würden wir diese mehr achten und annehmen, könnten wir auch unseren Mitmenschen mehr Würde und Achtung entgegen bringen uns nicht in Moralität aufspielen und würden all das was uns persönlich ausmacht als ein Geschenk des Himmels sehen. 

Was mich ebenfalls in diesem Buch beeindruckte, ist das von ihr besonders herausgehobenen und beschriebenen Thema der Sterbehilfe. Ein Wort, das aus unserer zurückliegenden Vergangenheit nicht nur ein sogenanntes „Gschmäckle“ hat, wie der Schwabe sagen würde, sondern schlechthin zu einem eigenartigen Tabu erhoben wurde, und besonders heute noch in unserer Gesellschaft heiss diskutiert, ja gerade zu tabuisiert teilweise auch verabscheut wird. Wir in unserem Land haben ebenso wie in den meisten zivilisierten Gesellschaften, den Tod aus dem Leben gestrichen. Er gehört nicht zu uns. Wir verabscheuen nicht nur darüber zu reden, sondern entsorgen unsere Toten, kaum nachdem sie gestorben sind so schnell als nur möglich um unseren Alltäglichkeiten und unseren materiellen Bedürfnissen nicht all zu weit aus den Augen zu verlieren. Tod ist etwas wertloses in unserer Kultur geworden. Und die wenigen die sich damit noch anders auseinander setzen, nehmen wir nicht mehr ernst. Mit lapidaren abwertenden, oft auch geradezu von trivialen Banalität begegnen wir Trauernden. Wir finden keinen Zugang mehr zu dem Thema das uns alle eines Tages einholen wird. Und da soll mir keiner sagen es wäre nur Angst die uns leitet. Auch das von der Medizin und Pharmakologie in die Welt gesetzten Slogan, Wir können alles heilen entbehrt nicht nur jeder Wirklichkeit, sondern man erhebt sich in eine Position “ Schöpfer über Leben und Tod“ zu sein.

Hier nun räumt Bettina Breda gründlich mit einem Glaubenssatz auf. Wir erfahren wieder, dass der Tod etwas unausweichliches ist und das Leben nicht ohne den Tod zuhaben und zu verstehen ist. Uns hängt leider immer noch das Dilemma nach, das Euthanasie im dritten Reich so entsetzlich in den Vordergrund gerückt war und dass es damals der Missbrauch in den Konzentrationslagern unendlich vielen Menschen das Leben kostete, aber auch die Hörigkeit bei den Göttern in Weiss ebenso ein Machtmissbrauch und die Pharmaunternehmen die Medikamente herstellten die den Menschen die nicht ins Konzept gepasst haben verabreicht wurde. Heute liegt es nach wie vor an den kontroversen Verständigungsschwierigkeiten die das Thema hervorruft. Es hat im Gedankengut von der Tatsache des Mordens nichts verloren. Und so wird es auch noch gesehen, innerhalb der Gesellschaft sowie von Seiten der Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit trotz der Beurteilung des Bundesverfassungsgerichtes 2020. Auch wenn immer wieder in der Politik, den Parteien, der Ärzteschaft und anderen Institutionen darüber heftig diskutiert ja sogar gerungen wird, ist es nur so weit gekommen, dass passive und indirekte Sterbehilfe und damit das Recht auf selbstbestimmtes Sterben als Persönlichkeitsrecht gilt.  Das Thema befindet sich nach wie vor immer noch in einer Grauzone, weil mit Umschreibungen irgendeines Wortlautes noch kein gesetzlicher Rahmen durch den Bundestag geschaffen wurde.  

Für Bettina Breda und ihren Mann war es ein großes Anliegen hier etwas zu bewirken. Dadurch, dass sie in der Schweiz lebten, hatten sie die Möglichkeit nicht nur sich damit zu beschäftigen, gleichzeitig einer dort bestehenden Organisation für Sterbehilfe beizutreten und selbstbestimmend ihrem Leben ein Ende zu setzen. Der Schwerpunkt hier liegt für mich auf dem Wort Selbstbestimmend. 

Anfänglich war ich ein wenig erstaunt darüber bei Bettina Breda, dieser lebenslustigen und lebenshungrigen Frau darüber in ihrem Buch zu lesen.  Doch nach und nach erkannte ich, geprägt durch ein Erlebnis, mit dem ich vor Jahren schon mal damit konfrontiert wurde, diesen Gedanken und die Tragweite die Breda in ihrem Buch stark herausgearbeitet hat und ohne Tabu damit umgeht, nochmal für mich zu überdenken. 

Ich möchte dazu hier kurz auf meine Geschichte eingehen um meine vorherigen Ausführungen besser verstehen zu könne. Eine junge gut aussehende, dynamische, sehr intelligente bereits unheilbar kranke Frau und ihr Ehemann die ich beide schon viele Jahre in meiner Praxis als Patienten behandelte, erzählten mir von diesem Vorhaben. Sie lebten beide in der Schweiz. Die Frau war noch sehr jung und damals konnte ich nicht verstehen, wie man in ihrer Position die sie inne hatte solch einen Gedanken fassen kann.  

Nach dem Tod dieser Frau hatte ich oft und lange Gespräche wärmend den Behandlungen mit dem Ehemann.  Er berichtete mir was er durchgemacht, erlebt und wie schwer es für ihn war dem allem zuzustimmen und allem voran den Wunsch seiner geliebten Frau zu akzeptieren. Doch durch die Gespräche mit ihm habe ich für mich Wichtiges erkannt.  Die Selbstbestimmung, vor allem in Verbindung mit Krankheit, Siechtum und dem Wunsch bei klarem Verstand, eine Entscheidung von solcher Tragweite zu treffen, bedarf großen und unerschütterlichen Mut.  Es geschieht nicht nur aus einer Laune heraus. Diese Menschen, die sich dafür entscheiden und dann den Schritt gehen, sind kraftvolle starke Menschen, die Leben und Sterben untrennbar miteinander verbinden. Sie sind innerlich mit Sicherheit in ihrer Bewusstseinsentwicklung, vielleicht ohne es selbst zu wissen, weit von der die uns inne ist. Sie können es vermutlich in einem winzigen Bruchteil erahnen, was leben mit Tod und Tod mit leben uz tun hat. Sie sind im Geist freie Menschen.

Mich lies das Thema damals nicht los und so begann ich, mich zu informieren, und aus einem völlig anderen Blickwinkel auch die Geschichte darüber zu studieren. Ich erkannte schnell was mir durch Erziehung, Kirche und Stattliche Vorgaben gelehrt war, hatte andere Hintergründe.  Sterben war tabu soweit es nur möglich sein konnte, wurde auf eine schnelle sogenannte Entsorgung gedrängt. Das geschieht heute mehr denn je.  Aber ist uns bewusst, dass viele alte Kulturen auch heutige Lebensformen in unserer Welt, eine frei gewählte Entscheidung zum Tod haben.  Heute noch können wir sehen, dass es in bestimmten Kulturen nach wie vor üblich ist, wenn die Zeit des Sterbens ansteht, dass diese Menschen sich aus der Familie zurückziehen und in die Einsamkeit gehen, um den Tod zu erwarten, wie wir aus der Literatur wissen. Gelegentlich hört man von alten Menschen, dass sie sich einfach ins Bett legen alle Nahrung verweigern, kurz bevor sie das Erdenleben verlassen. Sie haben, wie ich empfinde noch einen freien wachen Geist und die innere Intuition zur Selbstentscheidung. 

Nachdenkens wert ist das Thema des Sterbens unbedingt. Das Leben, das Bettina Olga Breda Betting in einer unerschütterlichen Weise allen widrigen Erfahrungen und Aufgabenbewältigungen zum Trotz gelebt hat, lässt auch hier meinen Hut vor ihr ziehen. Selbst wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt für mich keine Entscheidung getroffen habe oder auch augenblicklich nicht treffen könnte, hat es mich nachdenklich gemacht, dass Bettina Breda vermochte diesem Thema so einen breiten Raum einzuräumen. 

Mein Resümee zu diesem Buch ist unbedingt die Stärke, der Mut, die Tatkraft und das unerschütterliche Engagement dem man in der gesamten Biographie immer wieder auf allen Ebenen begegnet, sogar bis hin zu ihrem Tod und darüber hinaus hinterlässt sie etwas, was sich nur schwer mit Worten ausdrücken lässt.  

                                                                                  31. Juli 2022

Kurzbeschreibung Bucheinband

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