Hochwürden geht auf Wallfahrt (8)

Der „Steinerne Beutel“und das Wiesenttal

Hochwürden hatte entschieden. Das Frankenbier zwischen den Gerippen war für seine Fantasie anregend gewesen. Also beschloss er mit Berta eine Rundfahrt zu machen. Erstmal in der nahegelegenen Behringersmühle eine kleine Brotzeit einnehmen und anschließen das Wahrzeichen der Stadt Waischenfeld anzusteuern. Die Fahrt ging durch das Tal der Wiesent, ein Nebenfluss der Regnitz, die als Hauptfluss der fränkischen Schweiz mit einer Länge von 78 km auf der Reise den Beiden noch einige Male begegnen wird. Gemächlich fuhren Hochwürden und Berta durch das beschauliche Wiesenttal direkt bis nach Waischenfeld.

Der Steinerne Beutel

Von weitem erkannte man schon den 13 Meter hohen Turm, genannt „Steinerner Beutel“, der auf einem Plateau eines Kalkstein- Felsens, hoch hoch über der Stadt steht. Er ist ein Überbleibsel im nördlichen Teil, der aus dem 13. Jahrhundert nicht mehr bestehenden, mittelalterlichen Burg Waischenfeld. Erstmals wurde der heute anerkannte Luftkurort im oberen Tal der Wiesent um 1122 mit der gleichnamigen Burg dem dazugehörenden Wehrturm in Zusammenhang mit dem Ort Waischenfeld erwähnt.

Waischenfeld

Holprig und steil ging es nach oben. Hochwürden wollte unbedingt selbst mit seinem Auto nach oben fahren. Das mit dem Hochlaufen wäre für heute ein wenig viel gewesen. Und so kam es wie es kommen musste, wieder einmal hatte Pfarrer Cornelius sich beim Einparken verschätzt und stand plötzlich ohne Vorwarnung zwischen mehreren Müllcontainern. Gedanklich hatte er sich wieder vom Autofahren ausgeklinkt; das geschah häufig. Hochwürden fuhr auch nicht gerne selbst, aber heute wollte er unbedingt Berta Wilhelmine beweisen, was er sich so alles vorgenommen hatte. Und prompt ging es wieder einmal daneben, um nicht zu sagen in die Hose.

Wie nach solchen Vorfällen, lässt Hochwürden dann einfach sein Auto stehen, wo er gerade gelandet ist und geht vom Ort des Geschehens. Dabei schimpft er vor ich hin, dass die Straßenverkehrsordnung nur für dumme Leute gemacht sei, und nicht für so eine Person wie ihn dem Hochwürden. Berta grinste vor sich hin, mehr konnte sie auch nicht, denn was sollte sie schon tun oder sagen. Sie kannte Pfarrer Cornelius. Er wird sich schon wieder beruhigen, dachte sie. Und so lief sie dem, das Weite suchenden Hochwürden nach, nahm ihm einfach den Autoschlüssel ab, um das Auto auf den unweit daneben liegend Parkplatz abzustellen.

Der besondere Parkplatz

Dann setzte sie sich ans Steuer und manövrierte den Wagen von seiner „Eminenz“, wie sie ihn bei solchen Ausrutschern gerne titulierte, auf den gegenüber gelegenen Parkplatz. Hochwürden war inzwischen zu dem Felsvorsprung gelaufen hatte sich ein Taschentuch hervorgeholt, sich an die Kante des Felsens gesetzt und wischte sich den Schweiss von der Stirn. Berta folgte ihm gemächlich, lächelte ein wenig vor sich hin und nahm sich nebenbei vor, ab jetzt werde sie das Auto fahren. Egal, ihren eigenen Wagen, oder den von Hochwürden. Aber ihn wollte sie bis zur Heimreise auf der Autobahn nicht wieder hinters Steuer lassen. Na, er ist eben nur die Autobahn gewohnt, ging es ihr durch den Kopf. Sonst kam er ja wenig in die Verlegenheit wie schon erzählt, sich hinter das Steuer zu setzen.

Der Rundblick war gigantisch. Weit über das gesamte obere Wiesenttal konnte man blicken und unter Ihnen lag der Ort. Die Stille hier oben, nur durchbrochen vom Gesang der Vögel, lies eine wundervolle Stimmung aufkommen. Da muss ich nicht noch in die Wallfahrtskirche gehen, aus der man mich wieder hinaus komplimentiert, dachte Berta Wilhelmine. Das ist Meditation und Wallfahrt zugleich, in der Natur, ganz ohne Reglements und Vorurteile. „Gottes wundervolle Natur ist für alle da“, fügte sie laut im vorbeigehen an Hochwürden noch hinzu, während sie den restlichen Felsen zu der kleinen Höhle am Fusse des Steinernen Beutels hochstieg.

 Hochwürden folgte ihr. Die letzen Worte die Berta gesagt hatte und er sie noch hören konnte, ließen ihm Falten auf die Stirn zeichnen. Was sie wohl mit ihrer Aussage gemeint habe? Nun er wollte Berta Wilhelmine zu gegebener Zeit fragen. Das Motto jetzt war, nur noch die Aussicht genießen. Beide saßen lange auf dem Felsvorsprung, blickten ins Land und hingen ihren Gedanken nach. Plötzlich meinte Pfarrer Cornelius: „Berta ich wünsche mir, dass du das Fahren übernimmst und ich werde dir die Orte, Städte, Landschaften, Kirchen und Höhlen zeigen. Ich sage dir dann wohin es geht, was wir uns ansehen und anfahren werden. Ist das für dich in Ordnung ?“

Sankt Anna Kapelle

 Berta, wußte nicht wie ihr geschah und was mit Hochwürden plötzlich los war. Er war doch sonst nicht so großzügig mit der Weitergeben seines Autos und schon gar nicht so höflich? Nach kurzem überlegen, nickte sie nur, schaute den Pfarrer ein wenig erstaunt und zugleich verschmitzt an und stand auf. Dann gingen sie wortlos den Felsen hinab zum Auto. Sie fuhren an der für den Ort berühmten Sankt Anna Kapelle vorbei, dessen schlichtgehaltener romanischer Bau, um das Jahr 1509 erbauten Gotteshauses, das im Innern der Kapelle als Besonderheit einen Altar aus Barocken Stilelementen vorweisen kann. Das dazugehörende Altarbild der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind, wurde von einem ehemaliger Pfarrer in Öl gemalt.

Sankt Anna Kapelle

„Gibt es noch einen Café „ hörte Berta plötzlich Hochwürdens Stimme. „Ach ja, das ist eine gute Idee“ meinte sie. Doch einen Parkplatz zu finden, gestaltete sich nicht so leicht. Die wenigen Schritte zum Café das als einziges geöffnet hatte, war auch nicht so schnell gefunden. Sie mussten zuerst den Ort ablaufen um es zu finden. Pfarrer Cornelius kannte sich hier zwar aus, denn er war schon des öfteren hier gewesen, aber ob die Lokalitäten geöffnet haben oder nicht, daran konnte auch er nichts rütteln. Während sie auf den Café und das Glas Wein von Pfarrer Cornelius warteten, blätterte Berta in einem Journal der Tourist Information, das auf dem Tisch lag.

Folgende Notiz hatte sie dort gefunden; Pulvermühle gesprengt! Wanderer entlang der Wiesent südlich von Waischenfeld finden beim heutigen Gasthaus „Pulvermühle“ weder ein Mühlrad noch ein historisches Mühlengebäude vor. Dem damaligen Pulvermüller war im Jahre 1806 von französischen Offizieren befohlen worden, für die französische Armee Schwarzpulver zu mahlen. Er weigerte sich, weil er dem Feind keine Munition liefern wollte und sprengte stattdessen die Pulvermühle, wobei er einige französische Soldaten mit in den Tod riss.

Rundturm vor der Burg Waischenfeld

Café kalt, das Glas Wein schon ziemlich abgestanden, so verließen Hochwürden und Berta Wilhelmine nach etwa einer Stunde ihre inzwischen mächtig angewärmten Stühle. Während die Beiden zum Auto liefen, erzählte Berta, neugierig wie Müllers Katz, Pfarrer Cornelius was sie so alles gehört hatte. Sie nutzte während Hochwürden in einer steifen aufrechten Sitzhaltung ein kleines Nickerchen hielt, die Gelegenheit den einheimischen Frauen bei ihrem Café Kränzchen, ihrem Klatsch und Tratsch zuzuhören und sie dabei zu beobachten.

War schon ein wenig schräg , was da so geredet wurde. Nichtanwesende Damen oder auch andere Ortsansässige wurden in tiefstem fränkischen Dialekt durch den Kakao gezogen, während fleißig an Mützen, Schals, Strümpfen und Decken gestrickt und gehäkelt wurde. Gelegentlich ein kurzer Aufschrei…..oh laibala naa, …….weil gerade sich eine Masche verselbständigt hatte. Dann war es plötzlich Muxmäuschen still, um anschließend in neuer erweiterter Lautstärke die Gespräche fortzusetzen.

Abendstimmung und Rundblick

Für heute war es genug! Ein wenig müde schleppten sich Berta und Hochwürden zum Parkplatz. Dann ging die Fahrt über Pottenstein zurück in den Wallfahrtsort. Morgen ist auch noch ein Tag, dachte Berta, während sie ohne große Eile durch die herrliche Landschaft zurück fuhren.

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