Die kleine Blaue zieht aus

Hallo ihr da, ich „Vespa 50/R 1970 V5A1T 702504 735719“ ihr kennt mich besser als „die kleine Blaue“. Eigentlich bin ich ja türkis, aber dafür interessiert sich hier Keiner. Die sind alle Farbenblind, sage ich immer. Für die meisten Menschen bin ich eben blau…Na, was soll’s ! Ich habe kein Problem damit, ob blau oder türkis oder wegen mir sogar lila blassblau…ich bin nun mal die KLEINE BLAUE.“

Ja und heute ziehe ich von meinem bisherigen zu Hause aus. Hier seht ihr mich wie ich an meinem Stammplatz hinter meiner großen Schwester stehe. Die heißt übrigens Colombine und ist schon sehr traurig darüber, dass ich bald nicht mehr da bin. Denn nun muss sie ganz alleine in der Garage zurück blieben. Alle anderen Vespas sind inzwischen auch schon umgezogen. Und dahin wo die alle sind, auf der anderen Seeseite, da ziehe ich jetzt auch hin.

Also wie gesagt, das ist Columbine meine Große Schwester und sie ist schon ziemlich alt, finde ich. Sie sieht zwar immer noch gut aus, aber das ist keine Kunst, wenn man wie sie immer gut und liebevoll gepflegt wird. Klar, sie ist ja auch eine Lady. Als Einzigste von uns, ging sie immer auf große Reise.

Besonders viel ist sie nach Italien gekommen. Aber auch auf dem Großglockner, war sie schon und ich weiß nicht wo sonst noch überall. So wie ihr sie gerade auf dem Bild sehen könnt, ist sie irgend wo in den Bergen. Sie ist schon zweimal die Hochalpenstraße hochgefahren. Ihr müsst wissen, der Großglockner ist mit 3798 m der Höchste Berg in Österreich. Sie war damals auf dem Vespa Treff in Zell am See. Hier seht ihr sie vollbepackt, so sah das immer aus, wenn sie auf große Reise ging. Das Bild hier wurde, glaube ich wurde im Juli 2015 gemacht. Aber genau an dem Tag war sie mal wieder auf dem Weg nach Italien.

Hier ist Colombine nochmal mit einer meiner anderen Schwestern. Die gehört Marcus. Sie ist nun wirklich blau. Marcus und Jürgen waren zusammen in „Zell am See“ zum Vespa Treff. Das soll richtig gut gewesen sein haben die 647 und die 648 mir erzählt. Aber vom erzählen hat man natürlich nicht viel. Dabeisein ist eben alles, sag ich immer.

Solche Plakate hatten sie bekommen, wenn sie auf den Touren mitgefahren sind. Das sollen ja unendlich viele Vespas auch Oldies mit ihren Besitzern mitgefahren sein. Ich sage Euch, Colombine hat davon richtig geschwärmt. Da muss es mächtig hoch hergegangen sein. Aber jetzt genug von meiner Schwester und vom Großglockner und was sonst noch war. Jetzt erstmal wieder zu mir.

Wie ich schon sagte Colombine ist sehr traurig, weil sie nun alleine in der Garage zurückbleiben wird. Und was viel Schlimmer für sie ist, sie wird auch nie mehr nach Italien ihrem Lieblingsland und Sehnsuchtsort reisen dürfen. Klar ich wäre auch traurig, wenn ich nicht mehr Reisen könnte. Aber da ich so oder so nur hier im Dorf und ums Dorf und auch mal nach Radolfzell gefahren bin, Eis holen…lecker… habe ich auch gar keine Ahnung, wie das ist, auf eine großen Reise zu dürfen.

Ja ,da staunt ihr. Das sind meine besten Teile. Die werden jetzt alle gepflegt, poliert und zusammengesteckt und dann bin ich wieder Fahrbereit und wie neu! Ja, ja, lacht ihr nur…Wer weiß was noch aus mir eines Tages wird und wo ich vielleicht mal noch hinfahren werde. Im Augenblick werde ich erstmal so richtig auf Vordermann , wie es so schön heisst, gebracht. Und dann kann es natürlich sein, dass ich weiter verkauft werde. Leider! Aber ich verstehe Marcus, er kann nicht alle die Vespas behalten, die einmal hier und bei ihm gestanden haben. So richtig kann ich mich auch nicht mehr an alle Geschwister erinnern. Marcus selbst hat schon zwei, oder drei, bei sich stehen. Und fahren kann er eben immer nur mit einer von uns.

Die hier, die JL 313 ist auch eine Schwester. Sie wohnte am Längsten hier im Haus. Sie war einmal ein großes Geburtstagsgeschenk und ist heute 24 Jahre alt. Schön fahrbereit und ebenso gepflegt, wie Colombine. Sie war auch immer auf großer Fahrt. Besonders viel in Südfrankreich oder auch im Elsass und natürlich wie könnte es anders sein, in Italien. Sie wurde wenn es los ging im Hagar dem Wohnmobil verstaut und dann am Ziel ausgeladen und hat dort die Gegend bereist.

Ich habe mir gerade überlegt was die 313 so alles erzählt hat, wo sie hingekommen ist, und was sie alles gesehen hat. Einmal war sie am Meer in der Camargue. Und da ist sie im Sand und Schotter Stundenlang am Mittelmeer entlang gefahren. Hinterher, war sie ganz kaputt, aber die Beiden die auf ihr saßen, ebenso. Dann kennt sie natürlich den Luberon in und auswendig. Da gibt es keinen Ort, keine Straße, keinen Waldweg, den sie auf ihren vielen Reisen nicht abgegrast hat. Natürlich auch keine Cafés am Weg, wo sie nicht mal halt gemacht hat. Und dann natürlich die Cote Azur, oder im Hinterland von Menton. Ach Gott, da ist sie in einem kleinen Ort einmal mit ihrem Fahrer steil eine Treppe hinunter gefahren. Hui..das wäre nichts für mich gewesen.

Ja, hier oben könnt ihr mal sehen wie es bei uns immer ausgesehen hat, wenn an den einzelnen Vespas gearbeitet wurde, oder wenn sie in Reih und Glied aufgestellt und fotografiert wurden. Auf dem einen Bild steht auch noch das Motorrad daneben, das uns einmal gehört hat. Vor dem roten langen Tisch an der Wand, da steht nochmal eine Schwester von mir. Die war schon ein wenig verrostet und ziemlich mitgenommen als sie bei uns ankam. Wo die heute steckt weiss ich nicht. Auf jeden fall ist sie schon lange nicht mehr da. Zeig euch weiter unten noch ein wenig was von ihr. dann könnt ihr selber feststellen, sie hatte nicht zu uns gepasst.

Und ich träume schon wieder währenddem ich auf den Hänger geschoben und festgeschnallt werde. Das tut ein wenig weh, aber ich muss da jetzt durch , sonst wird es nie etwas mit einer großen Reise für mich werden. Glaubt mir, eines Tages werde ich nach Frankreich kommen… Wou, und dann kann ich euch auch Geschichten erzählen, vom warmen Süden, vom Meer, von den Cafés, dem Bastis, den vielen Brunnen in Pernes les Fontaine, oder vom Mont Ventoux

Sicherlich wird mich Marcus in gute Hände geben. Und dann werde ich auch fahren und fahren und fahren, so lange bis ich überall gewesen bin, wo ich gerne mal hin wollte. Aber habt ihr mal meine Teile alle angesehen? Ich sehe doch toll aus. Da hat sich einer richtig viel Arbeit mit mir gemacht und mich schon aufpoliert.

Ach Gott und jetzt werde ich noch einmal angeschnallt, damit ich unterwegs nicht umfalle. So was blödes, ich falle schon nicht um. Eigentlich gefallen mir die orangefarbenen Gurte gar nicht, das passt nicht zu meinem schönen Türkis. Aber bis in mein neues Zuhause geht das gerade noch. Nacht ist es auch bald, da sieht das niemand mehr. Aber wenn ich wieder auf den Hänger raufgehen muss, dann möchte ich schöne passende Gurte.

So, da seht ihr noch die andere Schwester, von der ich erzählte. Ihr seht selbst, sie ist nicht gerade in einem guten Zustand und passt so gar nicht in unsere Familie. Na, ja , sie ist auch schon sehr lange nicht mehr hier, bei uns

Langsam ist es langweilig. Den ganzen Mittag regnet es schon, solange ich auf dem Hänger stehe. Jetzt bin ich richtig nass geworden. Nur mein Sitzpolster ist abgedeckt. Bis in mein neues Zuhause werde ich es gerade so schaffen. Wenn ich morgen Schnupfen habe, bin ich aber sauer. Also gleich geht es los….

Tschüss……. auf Wiedersehen……bis bald……macht’s gut !

Hallo, ich bin es nochmal… das ist mein neues Zuhause auf dem roten Sofa!

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