Hochwürden geht auf Wallfahrt (6)

Vom Glockenläuten und Rosenkränzen

Basilika

Endlich Sonntag! Ausschlafen war angesagt. Aber wer glaubte, dem wäre so, der hatte sich gewaltig geschnitten. Schließlich und endlich war das hier ein Wallfahrtsort, mitten im tiefgläubigen, erzkatholischen Bayern, nahe dem Bistum Bamberg. Es war kurz vor 5 Uhr früh, als Berta von Böllerschüssen geweckt wurde. Da sie, eben aus dem Schlaf gerissen, zunächst nicht wußte, was das war, erschrak sie schrecklich. Sie legte sich kurz noch einmal zurück, als bereits die Kirchenglocken mit mächtigem Geläut sie erneut hochschrecken ließen. Etwas verschlafen und verstört, blickte sie nochmals auf ihre Uhr, weil sie dachte sich vorhin in der Zeit geirrt zu haben. Aber es waren nur wenige Minuten seit den Böllern vergangen. Sie versuchte langsam aus dem Bett zu kriechen, was ihr nicht gelang. Sie war noch viel zu müde und außerdem war ja Sonntag. Doch eigentlich sollte ich mal aus dem Dachfenster sehen, ging es ihr durch den Kopf. Noch mit dem Gedanken und der bleiernen Müdigkeit beschäftigt, klopfte es bereits schon an ihrer Tür.

„Berta Wilhelmine“ hörte sie Hochwürdens Stimme. „Aufstehen wir müssen zum Gottesdienst.“ Er war wohl gestern, am späten Abend noch angereist , dachte sie. „Hallo Berta, hast du mich gehört? Aufstehen !“ setzte er noch einmal nach. Berta grunzte kurz eine Antwort zurück, bevor sie nun endgültig sich aus dem Bett erhob. Mist, großer Mist, jammerte sie. „ Nicht einmal am Sonntag und im Urlaub kann man ausschlafen.“ Sie warf sich noch einmal zurück in die Kissen, um danach sich doch aus dem Bett zu zwingen. Hochwürdens Weckdienst ignorierte sie einfach. Die Kirchenglocken läuteten so schrecklich laut und auf der Straße hörte man bereits Gesänge und Blasmusik, dass sie sich gerne aus den Federn erhob. So nahe an der Basilika konnte man sich unmöglich dem Festgeläut und den Gesängen entziehen, war nun ihre endgültige Meinung. „Na, ja ich habe den Gasthof hier nicht ausgesucht,“ führte sie das Selbstgespräch fort.

„Nicht mal seine eigene Stimme kann man bei dem Prozedere verstehen“, setzte Berta noch nach. „Bin gespannt was da alles noch kommt.“ Sie öffnete das Fenster, da sah sie auch schon die ersten Pilger am Haus vorbeiziehen. Interessiert schaute sie dem bunten Treiben zu, denn so etwas sieht man ja nicht alle Tage, ging es ihr durch den Kopf. Die Prozession war in unterschiedliche Gruppen aufgeteilt. Jeder Gruppe ging ein Mann voraus, den Trachtenhut mit übergroßem Gamsbart akkurat auf dem Kopf platziert. Eine breite Schärpe um den Körper gelegt an dem die Monstranz festgemacht war, die er mit kräftigen Händen umklammerte.

Die Gruppen waren streng nach Geschlechtern getrennt. Ordentlich und sittlich, in tief schwarzer Kleidung, fast ausschließlich mit schwarzer Kopfbedeckung oder Tüchern bedeckt, kamen die Frauen festen Schrittes hier entlang. Andere Gruppen folgten in unterschiedlichen Trachten in langen Röcken mit Blumen in den Händen, darunter den Rosenkranz versteckt, zogen sie betend am Gasthof vorbei. Zwischen den einzelnen Pilgergruppen waren die Musiker, die je nachdem Kirchliche oder auch weltliche Lieder für die Wallfahrer aufspielten. Die Gesänge, Gebete, die Musik und das noch immer starke Glockengeläut von der Basilika war Ohrenbetäubend.

„Schließlich war es ja auch sehr weit von hier aus in den Himmel, da muss man bei so vielen „Mitwallfahrern“ schon ordentlich laut werden, wenn man sich dort oben Gehör verschaffen will“ , sagte Berta jetzt laut vor sich hin. Der Blick aus ihrem Schlafgemach, auf die vielen Prozessionsteilnehmer, die auf dem Weg zum Kreuzberg zu so früher Stunde aufgebrochen waren, ließ schon so eine gewisse Bewunderung bei Berta hochsteigen.

Marien Statue

Die Gläubigen marschierten festen Schrittes die Straße hinunter, zu einem am Ende der Straße stehenden Wegkreuz. Dort hielten sie an. Nur noch von weitem konnte man das Gemurmel vernehmen. Nach geraumer Zeit begann die Blasmusik zu spielen „Großer Gott wir loben dich….

Heiliger Berg hier endet die Wallfahrt Prozession

Das war nun so laut, dass der ganze Ort durchdrungen war. Alle Musiker hatten sich nun mit eingebracht. Während Berta Wilhelmine völlig eingefangen von dem was sie sah, noch an ihrem Fenster stand , polterte es schon wieder an ihrer Türe. „Hallo Berta, wie sieht es aus, bist du soweit“, ertönte wieder die Stimme von Pfarrer Cornelius. „Wir sollten uns doch für den nächsten Gottesdienst vorbereiten, um dann an der Prozession teilzunehmen“. Berta hatte nun absolut keine Lust sich für die Kirche fertig zu machen. So rief sie Hochwürden zu, er möge doch alleine gehen und sie würden sich später beim Frühstück treffen. „Aber Berta das können sie mir nicht antun. Wir sind doch extra wegen der heutigen Prozession hier angereist“, antwortete Hochwürden. „Jaja, vielleicht ist das was für sie, ich brauche das heute nicht“, entgegnete sie ein wenig forsch. „Wir sehen uns beim Frühstück, aus basta!“

Das goldene Tor salü

Berta wusste genau jetzt würde Hochwürden ohne sie gehen. Sie wollte wegen dem Gottesdienst in der Basilika nicht ihre Beobachtungen einstellen. Schließlich hatte man sie gestern Abend aus der Kirche hinauskomplimentiert. Und das werde sie Pfarrer Cornelius schon noch sagen. Außerdem, was wollte er überhaupt hier? Er ist doch genauso wenig Katholisch wie sie. Diese Frage sollte sie noch eine Weile beschäftigen……und zwar nicht zu knapp. Im nachdenken war sie heute ein wenig langsam und so konnte sie sich auch keinen Reim darauf machen, warum gerade die andere „Innung“ zu der Hochwürden gehörte, zur Wallfahrt gehen wollte. Genau genommen war er ja kein Hochwürden im herkömmlichen Sinne. Nur sie, Berta seine langjährige Haushälterin hatte ihm irgendwann einmal den Namen verpasst. Und da Pfarrer Cornelius das ausgesprochen lustig fand blieb es eben dabei. Anfänglich war sein Amtskollege und Stellvertreter im Pfarrhaus dadurch völlig irritiert. Doch als sie und Hochwürden ihm die Geschichte erzählten, wie es dazu kam, war er ebenso auf diese Art der Kommunikation aufgesprungen. Selbst in der Kirchengemeinde wurde er oft als Hochwürden angesprochen.

Mittlerweile hatte sich die Gruppe der Wallfahrer wieder in Bewegung gesetzt. Es war auch ruhiger geworden und das Geläute der Dreifaltigkeits Basilika war verstummt. Von weitem hörte man immer mal wieder die Gesänge, die vom Wind herübergetragen wurden. Die Prozession ging nun auf den Kreuzberg, der genau gegenüber der Burgruine lag. Das große Kreuz des Berges thronte über dem Ort. Dort oben sollte die Wallfahrt mit Gesängen und Gebeten ihren Höhepunkt finden. Berta hatte sich inzwischen auf die Socken gemacht und sich genau unterhalb des Kreuzberges eingefunden. Zu ihrer großen Verwunderung bemerkte sie, dass sie nicht alleine hier her gekommen war. Es hatten sich noch andere Neugierige, vielleicht auch Gläubige für die der Berg zu besteigen ein wenig beschwerlich war, versammelt.

Basilika mit Blick auf die Burg Gößweinstein salü

Einige sangen sogar mit, als die Pilger über uns zu singen begannen. Danach setzte sich der Pilgerzug langsam in Bewegung und ging den kurzen Rundweg hinunter zur Basilika. Dort versammelten sie sich noch einmal im Gotteshaus um dort vor ihrer Heimreise die Hostie in empfang zu nehmen und den Segen zu bekommen.

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