Ein Brunnen, ein Künstler und eine gespaltene Bevölkerung 4*

Ein umstrittener Brunnen, auf der Laube

Der Brunnen von Peter Lenk, hat so seine Geschichte. Jeder Bürger der Stadt hat mit Sicherheit heute noch ab und an ein Erlebnis, oder gar eine Anekdote dazu. Doch in der Zeit als der Brunnen auf der Laube aufgestellt wurde, war nicht nur unter den einzelnen Bürgern ein Streitpunkt, auch der Südkurier berichtet häufig darüber. Zu welchen Lager er gehörte änderte sich täglich, ja fast stündlich und mit jedem Journalisten noch einmal. Interessant war, dass das bis dato verschlafenen Konstanz plötzlich aufgewacht war, wenn auch nur um sich über ein „nicht tragbares Kunstwerks“ eines verrückten Künstlers zu ärgern, oder gar im schlimmsten Falle zu streiten.

Bei dem Rundgang durch unsere Stadt muss der Besucher unbedingt seine Route auf die Laube erweitern. Denn ohne dem Brunnen von Peter Lenk gesehen zu haben, darf man die Stadt nicht verlassen. In den meisten Fällen entlockt er dem Besucher ein Lächeln, dann war es eine wohlgeleinte Geste, gelegentlich dann schon auch ein Nase rümpfen, oder für die einen und anderen endet es in Diskussionen, mit meist unbefriedigendem Ausgang. Das Smartphone wird dann trotzdem noch schnell gezückt, manchmal sogar ein wenig verstohlen. Der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel, heisst es so schön. Die Stadt und vor allem der Künstler sind dadurch in aller Munde.

Um den Brunnen an der Laube ranken sich seit Jahren, bis zum heutigen Tag immer noch die skurrilsten Geschichten. Doch bevor ich die Begebenheit erzähle, möchte ich noch ein paar Worte zu dem Künstler anmerken.

Bodman /Ludwigshafen Besuch bei Peter Lenk

Peter Lenk ein deutscher zeitgenössischer Bildhauern lebt in Bodman -Ludwigshafen. Er stellt auf eine satirische Art, die von ihm empfundene gesellschaftlichen Missstände in seinen Skulpturen dar. Kritiken an seinen Darstellungen kann er gelegentlich schon mal mit verklemptem Pietismus bezeichnen, oder auch in klaren Worten vom „Zoff der Spätzleszunft“ reden. Er ein „streitbarer Geist“ dessen Gedanken und Facetten vielen den Schlaf raubt, und dem es wieder und wieder gelingt auf Konfrontationen mit Städten und Gemeinden, sich einzulassen, wenn es darum geht, ob eines seiner Werke stehen bleiben kann, oder sich Regierungsvertreter und Bürgermeister darauf verständigen das Objekt des Ärgernisses zu entfernen.

Ich lernten Peter Lenk vor Jahren in Baden- Baden kennen, zu einem Zeitpunkt als bereits das Thema “ Lenk Brunnen“ in aller Munde war. Auch als das streitbare Ablehnen seiner Kunst teilweise in eine Egal Philosophie abgetauscht war, da die Mehrheit, aus welchen Gründen auch immer sich nicht äussern wollte. Also, wie schon gesagt …ich lernte ihn damals kennen, als er gerade dabei war, einer weiteren Dame aus seinem Hause, ihr neues Umfeld vorzubereiten. Die Aufstellung dieser schweren voluminösen Gestalt im Vorgarten eines Villenviertels, war einzig und allein nur von meinem Interesse begleitet worden.

Wie sich im Gespräch herausstellte war besagte großäugige und mit breiten Hüften bestückte Figur nicht aus der “ Feder“ von Peter Lenk. Sie wurde von seiner Tochter die in seine Fußstapfen getreten war, in den allseits berühmten Stein gehauen. Sie ziert auch bis heute den Vorgarten ihres Hauses.

Lenk eine sehr interessante Persönlichkeit, die sich durchaus bewusst in die „Fettnäpfchen“ der Bevölkerung setzt, und trotzdem keines Wegs verschrobene und irreale Ansichten hat. Er trifft in seinen Kunstwerken, den Menschen oder besser das Individuum genau so wie er ist. Immer an der Stelle wo sich der Einzelne gerne Verstecken würde, oder zurück ziehen möchte. Dabei ist seine Art die Dinge zu zeigen keineswegs beleidigend, oder gar diskriminierend, sondern der innere Kern wird wahrheitsgetreu gezeigt. Jeder Mensch in seiner Unzulänglichkeit und seiner Boshaftigkeit, die er in unserer Gesellschaft gerne zu verstecken gedenkt, weil sie ihm ja weder Ruhm noch Achtung einbringen würde.

Dabei nimmt Lenk kein Blatt vor den Mund und redet auch nicht dem Gegenüber nach seiner Einstellung. Er analysiert kritisch und genau…. Viele aus seinem Umfeld mögen das natürlich nicht und finden ihn derb und teilweise vulgär. Aber das sind andere Attribute, die Peter Lenk dem Künstler und Individualist nicht fremd sind. Lediglich muss man sagen er setzt sie so in den Alltag, um in der Betrachtung dem Betrachter nicht nur ein Spektrum aufzuzeigen, sondern seine Einblicke sind geradezu verführerisch was Kunst sein kann, aber trotzdem stark mit Realität verwoben.

Als ich vor mehr als 55. Jahren nach Konstanz kam, hatte ich aus heutiger Sicht betrachtet bereits mein erstes Erlebnis zum Thema Bildhauer Peter Lenk. Nicht wie Sie jetzt meinen ich hätte ihn damals persönlich kennengelernt. Nein! Mein deja vu ereignete sich bei einem Besuch am Freibad Hörnle. Im ersten Sommer meines Hierseins unternahm ich einen Spaziergang dorthin.. Als ich auf der großen Liegewiese ankam um mir einen geeigneten Platz zu suchen, hatte ich mich sehr schnell von diesem Gedanken verabschiedet. Nicht nur, dass sich die Badenden an allen Ecken und Enden tummelten, das wäre ja noch eine normale Situation gewesen. Doch was mich aufschreckte und ich deswegen bis heute nie mehr das Freibad am Hörne besuchte war das Bild das sich mir am Kinderplanschbecken für die Kleinsten bot. Auf einem der Aufnahmen hier im Blog sehen sie eine etwas ältere sehr voluminöse Dame mit den Füssen im Becken sitzen. Genau diese Bild bot sich mir. Die Dame hatte in ihrer vollen breite und Gewichtigkeit den Kleinsten das Becken streitig gemacht und sich dort ausgebreitet, wie wenn sie alleine da wäre. Dieses Erlebnis habe ich nie vergessen, weswegen ich mich dort auch nie mehr in den Sommermonaten eingefunden habe. Als nun der Brunnen an der Laube aufgestellt wurde hatte ich mein deja vu vom Feinsten. Bis heute komme ich nicht daran vorbei ohne an diese Begebenheit zu denken.

Zurückliegend gibt es noch eine weitere Geschichte zu dem Künstler Peter Lenk und vor allem zu seinem „Brunnen“ Hier nun das Beweisstück , das man fast als ein Corpus Delicti bezeichnen müsste, wen man die Begebenheit hört… so muss sich der Künstler wohl gefühlt haben. Vor vielen Jahren machten wir mit dem „Cercle Francaise“ eine Studien Reise in die Provence. Die Reisegesellschaft war aus den verschiedenen Klassen zusammen gewürfelt. Da es sich hier um eine rein Private Schule für Erwachsenenbildung handelte, bestanden die Gruppe bevorzugt meist aus älteren teilweise bereits schon im Ruhestand lebenden Personen. Nebenbei bemerkt, hatte sich eine illustren Gesellschaft einiger ehemaliger Lehrer hier zusammengeschlossen und für die Reise eingefunden.

Zur Mittagszeit gab es die erste Pause, bei der wir an der Autobahn ein Restaurant aufsuchten um dort ein Mittagessen einzunehmen. Da bekanntlich die Mahlzeiten im Gegensatz zu unserer Gepflogenheiten immer etwas länger andauernden als wir es gewohnt sind, kam es bei der Wartezeit zu anregenden Gesprächen. Zu irgend einem Zeitpunkt fiel am Tisch der Name des Künstlers Peter Lenk, der offensichtlich eine rege Diskussion zur Folge hatte und bei näherem Hinhören die Gemüter heftig erregte.

Bodman /Ludwigshafen Besuch bei Peter Lenk

Plötzlich war die Gruppe so aufgeheizt und gleichzeitig gespalten, dass die Diskussion immer lauter wurde. Eigenartigerweise hatten sich die dem Stand der Pädagogen angehörenden hier alle in ihrem Urteil geeinigt. Sie fanden, dass nicht nur der Ruf der Stadt mit solch einem Kunstwerk, dass sie nicht als Kunst befänden, geschädigt werde, sondern viel schlimmer wäre, dass auf dem tägliche Schulweg hier die Kinder vorbei kämen. Eine derartige „Schweinerei“ wie sie es nannten könnte den Kindern nicht zugemutet werden, man dürfe dies nicht dulden, da so etwas die Entwicklung der Heranwachsenden stark schädigen würde.

Leider hatte das gesamte Spektakel einen sehr unangenehmen Nachgeschmack. Die Reise wurde fortgesetzt, doch für die geteilten Lager gab es während des ganzen Aufenthaltes keine versöhnlichen Worte mehr untereinander.

Sicherlich werden wir im Laufe der Reise um den See noch das ein und andere Mal Peter Lenk begegnen. Trotzdem hier noch ein kleiner Einblick zu der berühmtesten Kurtisane während des Konstanzer Konzils, der hier, der Künstler ein ich nenne es „Denkmal“ gesetzt hat. Ob die Dame je hier gelebt hat oder in Konstanz ihrem Gewerbe nachgegangen ist werden wir nie mehr erfahren. Wir können uns nur an die Historie halten und davon ausgehen, das sie den Damaligen Klerus zu Diensten war. Und trotzdem ist sie zwischenzeitlich, wie der Reiseführer berichtet die bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt.

Dass der Künstler nicht unumstritten ist zeigt sich hier im Bodenseeraum immer wieder. Obwohl er an vielen Orten seine Werke aufgestellt hat, bleibt er nach wie vor umstritten. Man mag ihn oder mag ihn nicht würde der Schwabe sagen… so wie er bei dem Genuss von Romandur mit Zwiebeln sagen würde…Er, der natürlich auch kein Blatt vor den Mund nimmt, weder gegenüber den Gesprächspartnern ebensowenig in seinen Darstellungen, das befremdet viele. Er hat eben das „Gschmäckle“ wie ein Käse mit Musik.

Schade, denn solche Künstler und Menschen braucht das Land. Orte wie Überlingen, Ludwigshafen/ Bodman, Messkirch, Biberach oder auch die Landeshauptstadt Stuttgart , die mit dem Thema S21 sich nicht einmal im Corona Jahr 2021 mit dem Künstler einigen konnte, zeigt wie wenig Verständnis in der heutigen Zeit Kunst in unserem Lande hat. Kann man nur hoffen, dass eines Tages die Menschen anders darüber denken und die Hintergründe verstehen. Bekanntlich sagt man über Kunst lässt sich streiten, aber auch über Kunst lässt sich nicht nur diskutieren, sondern auch reflektieren Ist es nicht doch so, dass Kunst uns immer, egal wie wir zu ihr stehen, einen Spiegel vorhält.

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