Nikolaustag bei Malin

„Malin“, rief der Opa, „heute ist Nikolaus.  Komm lass uns unsere Schuhe noch einmal schön polieren, dass der Nikolaus sich nicht erschreckt, wenn er uns was Leckeres in unsere Schuhe stecken möchte.

Ja, gleich, rief Malin, „Ich will nur noch meine neuen Socken probieren“. Kaum gesagt, stand sie auf ihren kleinen Füßchen vor dem Opa. An einem Fuß hatte sie einen bunten Socken an, der andere Fuß war nackt. Sie spreizte ihre kleinen Zehen und reckte sie nach oben, als der Opa sie nach dem zweiten Socken fragte. Ach der, den habe ich bei Oma in der Küche gelassen. Den brauche ich jetzt nicht, meinte sie, wenn wir doch Schuhe putzen müssen, für den Nickolaus. 

Sie hatte zusammen mit Oma in der Küche Plätzchen gebacken und war rund um voll mit Mehl bekleckert. Oh je, dachte der Opa, während er behutsam Malin an der Hand nahm und während sie zusammen ins Bad gingen um die Hände zu waschen, erklärte er Malin,“ so können wir doch keine Schuhe polieren, da werden sie doch ganz weiß.“

Malin plätscherte ein wenig am Waschbecken im Bad, während sie dem Opa erklärte, wie eilig sie es habe, weil doch heute der Nikolaus käme und sie den auf gar keinen Fall verpassen wollte. Opa nickte und begann der Kleinen beim Abwaschen, der mit Mehl bestäubten Finger zu helfen.  Als sie fertig waren rannte Malin so schnell sie konnte los. Sie wollte als erste bei ihren Schuhen sein. Opa hängte noch das Handtuch auf, ging in die Küche, um den zweiten Socken von Malin zu holen, „denn die kleinen Füßchen werden schnell kalt“, sagte er zu seiner Frau, die gerade die frischgebackenen Vanillegipferl aus dem Ofen holte. 

„Opa, Opa“, klang es, durch den langen Flur.  Malin hüpfte auf ihren keinen Beinchen hin und her, als endlich der Opa kam. Sie hielt ihre Stiefel in der Hand und drückte sie fest an sich. „Wann kommt der Nikolaus“ fragte sie den Opa. „Heute Abend, oder heute Nacht“, erwiderte Opa.   „Oh, dann müssen wir uns aber beeilen“, erklärte Malin. 

Plötzlich rief sie durch den Flur, „Oma, ich bin hier und warte auf den Nikolaus, kannst du mir für mich, und den Nikolaus ein paar von den leckeren Plätzchen geben“. 

Opa hatte inzwischen aus dem Schuhschrank die Kiste n mit dem Schuhputzbürsten herausgeholt und stellt sie in die Ecke im Flur, wo in einem Erker ein kleiner runder Tisch und zwei Stühle standen. Malin kletterte auf einen der Stühle und schaute zu dem großen Fenster auf die Straße. „Hier bleibe ich, bis der Nikolaus kommt“, erklärte sie dem Opa. 

Sie drehte sich zu ihrem Opa um, schaute ihn eine Weile an, dann meinte sie, „also gut, dann helfe ich dir eben, vielleicht bekommst du dann auch ein paar Plätzchen“, setze sie noch nach. 

Oma, die das Treiben der beiden so im Hintergrund mitbekommen hatte, stand jetzt in der Küchentüre und begann zu lachen. „Das würde dir so gefallen, Plätzchen essen, zum Fenster hinauszuschauen und der Opa putzt deine Stiefel!“ Och, sagte Malin! Das Ooooch war sehr langezogen und dabei runzelte Malin ihre Stirn. 

Während Malin von dem Stuhl kletterte, lächelte Opa ein wenig. Und bis er richtig schauen konnte, stand die Kleine nun in ihrer ganzen Größe neben dem Opa, der ihr eine Bürste reichte. Sie polierte sehr geschickt die kleinen Schuhe.  Eigentlich waren sie ja gar nicht schmutzig, aber sie sollten eben glänzen, wenn der Nikolaus kommt.  Malin machte das schon sehr geschickt, denn sie hatte schon oft, dem Opa beim Schuhe putzen geholfen, allerdings standen sie dann immer vereint zwischen den Blumenkübeln auf dem Balkon. Doch heute war ein richtiges Sauwetter, wie die Oma immer sagte, wenn es so grau war und man nicht so richtig sehen konnte, ist das Regen oder vielleicht schon Schnee. 

Schweigend polierten Opa und Enkelin die Stiefel, als plötzlich Malin in die Stille hinein fragte, „Opa wann ist Abend“? „Na, wenn es dunkel ist und wir Abendbrot essen“, erklärte er ihr. 

Malin überlegte, dann meinte sie mit einem verschmitzten Lächeln, och, das ist ja noch so lange, wir müssen doch zuerst noch Suppe essen“.  „Wie denn das“, entgegnete Opa?  „Ja, weil es doch zu Mittag heute Suppe gibt, hat die Oma gesagt, weil, sie vor lauter Plätzchen backen keine Zeit zum Kochen habe.“

Wieder war es still bei den beiden. Malin war nun ganz in ihren Gedanken, Opa legte die Bürsten wieder in die Schuhputzkiste zurück, stand auf und meinte zu Malin, „komm wir gehen Hände waschen, dann kannst du schon den Tisch decken, für die Suppe“. Doch Malin hatte kein Ohr für den Vorschlag von ihrem Opa. Vielmehr wollte sie wissen, wo sie nun ihre Schuhe hinstellen sollen, dass der Nikolaus sie auch findet und was ihr auch wichtig war, ob denn der Opa vom Nikolaus auch was in seinen Stiefel gelegt bekomme. 

„Das erzähle ich dir gleich, wenn du die Hände gewaschen hast, der Tisch gedeckt ist und wir Suppe essen,“ erklärte Opa. Ihm war jetzt gerade nicht nach Reden, er hatte Hunger und außerdem musste er noch den Weihnachtsbaum besorgen.  Vielleicht konnte er das machen, solange Malin schlief, dachte er, denn bei diesem schrecklichen Wetter wollte er die Kleine nicht mitnehmen. Deswegen hatte er ihr auch nichts davon erzählt. 

Dann saßen alle am Tisch, löffelten ihre Suppe und die Großeltern bemerkten, dass Malin inzwischen sehr müde war und sich immer wieder die Augen rieb. „Ich bringe dich nach dem Essen in dein Bettchen, sagte der Opa. Oma muss nochmal in die Küche die restlichen Plätzchen backen. Wenn du ausgeschlafen hast, überlegen wir beide wie das mit dem Nikolaus und den Stiefeln weitergeht“, sagte er während sich Malin hinlegte.

Die Großeltern gingen den Weihnachtsvorbereitungen nach, Opa besorgte den Baum, Oma machte sich weiter in der Küche zu schaffen während Malin im Reich der Träume verweilte. Dann war es Nachmittag.   Putzmunter und aufgeregt stand plötzlich das kleine Plappermäulchen in der Küche, wo Opa gerade eine Tasse Café trank, während Oma, begleitet von einem tiefen Seufzer, das letzte Blech, mit dem Weihnachtsgebäck, aus dem Backofen holte. Sie sank auf den Küchenstuhl, der neben ihr stand, nahm die Cafétasse von Opa, um daraus einen großen Schluck zu nehmen.

Dabei klopfte sie Opa scherzhaft auf die Finger, der aus der auf dem Tisch stehenden alten Blechdose, Plätzchen naschte. 

„Gut geschlafen“, fragte Opa? Statt einer Antwort erklärte Malin, jetzt müsse sie und Opa endlich die Schuhe dem Nikolaus bringen, denn jetzt ist gleich Abend und dunkel und dann komme er und die Schuhe wären nicht da. 

„Machen wir“, sagte Opa. „Geh mal und hole deine Stiefel. „Und deine und die von Oma?“ fragte Malin. „Oh je, der Nikolaus bringt nur den Kindern etwas,“ sagte die Oma. „Wir Erwachsenen bekommen nichts mehr vom Nikolaus.“ Malin machte ein ernstes Gesicht. Man sah, wie es in ihrem Kopf ratterte. Sie überlegte lange. „Das geht doch nicht“, meinte sie plötzlich. Dann rannte sie los. Die Großeltern schauten sich an. Nach einer Weile kam Malin mit einem Blatt Papier und ihren Stiften zurück. Sie setze sich an den Küchentisch, zwischen Kuchenblech und Mehlstaub, legte das Blatt Papier auf den Tisch und begann in bunten Farben Kringel und Striche zu malen. Die Großeltern schauten ihr schweigend zu. Malin malte und malte. Fertig! rief sie, und meinte zu Opa schauend, „hast du mir einen Umschlag“.  „Für was brauchst du einen Umschlag,“ fragte er. „Für meinen Brief an den Nikolaus.“ „Ach so,“ sagte Opa. „Und wie hast du dir das vorgestellt, dass du heute dem Nikolaus noch einen Brief schicken möchtest?“ „Ich will ihn ihm nicht schicken. Ich lege den Brief zu meinen Stiefeln, dann kann der Nikolaus, wenn er kommt ihn auch gleich lesen“. „Und was hast du ihm geschrieben“, fragte nun Oma. „Er soll in eure Stiefel auch etwas hineinstecken. Ich möchte das so“, erklärte nun Malin.

Die Großeltern schauten sich an. „Aber hör mal“, wollte gerade die Oma sagen, doch Opa legte den Finger an den Mund, um ihr damit anzudeuten, sie solle nichts sagen. „Na, gut, wenn du meinst“ setze sie noch nach und sah Opa an, der verschmitzt lachend, Malin an der Hand nahm und meinte, „so jetzt gehen wir die Stiefel für den Nikolaus aufstellen. Vergiss deinen Brief nicht.“ 

Auf dem Weg zur Wohnungstür erzählte Opa nun seiner Enkelin, dass sie die Stiefel vor die Türe stellen müssen, denn der Nikolaus werde nur dort seine Leckereien und kleinen Geschenke in die Schuhe legen. Dabei sollte ihn kein Kind beobachten, denn dann wäre die ganze Überraschung weg. Deswegen komme er auch, wenn es draußen dunkel ist und die Kinder vielleicht schon schlafen.

Nun öffnete Opa die Wohnungstür und Malin stellte ihren Stiefel auf die Fußmatte, legte den Brief für den Nikolaus dazu. Dann rannte sie zurück, den Flur entlang und holte einen Stiefel vom Opa und stellte ihn neben den ihren. Und wieder rannte sie los, holte noch einen Stiefel, den von der Oma. „Oh je,“ rief sie dem Opa zu, „den Stiefel von Oma haben wir ja gar nicht geputzt.“  „Schnell Opa, sonst kommt der Nikolaus noch bevor wir alle Stiefel draußen aufgestellt haben“. Sie zerrte Opa zurück in den Flur, eilte zum Schuhschrank und holte eine Bürste hervor. Dann setzte sie sich auf den großen Stuhl und begann den Stiefel zu polieren. Nach wenigen Augenblicken war sie damit fertig und zufrieden. 

„Jetzt stellen wir den Stiefel von Oma zu unseren,“ sagte Malin. Dann standen Opa und Malin in der Wohnungstüre, schauten wie die Stiefel auf der Fußmatte schön angeordnet und sauber geputzt, darauf warteten, dass sie endlich gefüllt wurden. 

„Jetzt kann der Nikolaus kommen“, rief Malin und der Opa nickte und schloss die Wohnungstür.

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