Geschichten rund um unsere Familie

Neun Uhr einundfüfzig

Heute war Sonntag! Ein herrlicher Tag. Aber eigentlich noch viel zu früh um Aufzustehen. Nun hatte ich es mir nach gründlicher Überlegung in den Kopf gesetzt, und bin zu dem Schluss gekommen , dass der Sonntag doch viel besser wäre, als der Montag, meinen Geburtstag zu feiern. Und da ich bis zum nächsten Wochenende nicht warten wollte, auch wenn alle mir gesagt haben, da wären die besseren Tage, weil dann mein Papi auch vom Truppenübungsplatz in Hammelburg wieder zurück sei. Für mich galt es jetzt mein Vorhaben durchzuziehen. Ich wollte endlich aus der engen Behausung heraus. Ich brauchte neue Perspektiven und die wurde mir hier nicht geboten. Also machte ich mich schleunigst auf den Weg, bevor noch einer was zu meckern hat, was ihm so oder so nicht gelingen wird. Ich hatte nun mal das SAGEN……..

Genau genommen war ich einen Tag zu früh dran, aber was Soll‘ s……….meine Mami die ich mir ausgesucht hatte, würde es mir nicht allzu übel nehmen, denn sie war inzwischen schon ein wenig geplagt mit meinem Gewicht und ihr Bauch zog ganz schön nach unten. Na, das war ein Ding! Na, dann mal los….. Schaffen musste man auch noch, schon bevor man das Licht der Welt erblickte. Puh…wenn ich das vorher gewußt hätte, wäre ich lieber erst eine Woche später gekommen, vielleicht wäre es dann nicht so eine Schwerarbeit geworden. Hi….lfe. ..Lu…ft…… Hilfe….Hi…..Luft….Lu…..

Ja,..und jetzt war ich da! Neun Uhr einundfünfzig zeigte die Uhr die über der Tür in dem großen Raum, der sich Kreißsaal nannte hing. Um mich herum standen nur medizinische Geräte. Vincentius Krankenhaus nannten sie das alte Gemäuer. Für die meisten Leute hier in der Stadt etwas antiquarisches und besonderes. Da sei wohl schon mein Vater auf die Welt gekommen hatten sie mir erzählt und offensichtlich noch viel andere die hier in der Stadt lebten. Um mich herum hatte sich eine Hektik verbreitet und in Ruhe haben sie mich auch nicht gelassen. Nein, so etwas Anstrengendes, ob ich vielleicht doch lieber in der engen Behausung hätte bleiben sollen?

Na, jetzt war es schon zu spät! Das kann ja heiter werden, wenn das so weiter geht, oh je gute Nacht! Eine Frau mit so langen Flügeln am Kopf legte mich auf einen Tisch und rubbelte an mir herum. Man oh man ich bin doch kein Gegenstand den man polieren muss. Mensch lasst mich doch in Ruhe….i…i…ich will nur noch schlafen, das war alles so anstrengend. „Hört mich denn keiner? “ Nein sie fummeln und zerren nur weiter an mir herum. Aber ich gebe jetzt keinen Ton von mir. Das haben sie nun davon.

Ach Gott was war denn das? Da hat mich doch tatsächlich einer auf meinen Podex gehauen, und gleich nochmal. Jetzt aber genug. Jetzt beginne ich einfach Herzzerreißend zu schreien, dann lassen sie bestimmt von mir ab. Und so schnell höre ich auch nicht wieder auf, aus Prinzip, was glauben die denn. Da muss man arbeiten bis man endlich aus der Enge heraus ist. Und wenn man dann endlich da ist, bekommt man noch Schläge. Na, bei all dem Gefummel und Geschrei hatte ich plötzlich keine Lust mehr und schlief einfach ein.

Heute war nun schon der 22. September. Ein herrlicher warmer und sonniger Tag. Aber es ging so weiter wie es gestern angefangen und aufgehört hatte. Ich werde hin und her getragen, von einem Zimmer ins andere, dann wickeln sie mich in Tücher, dann schieben sie mich von da nach dort, legen mich mal hier und woanders hin…… und außer einen bisschen Tee hatte ich noch nichts bekommen. Wenn die mich hier mal nicht verhungern lassen ? Wartet ich werde euch helfen. Ich weiß mich zu wehren. Einfach weinen und wenn das nicht hilft…? schreien. Schreien so laut ich kann. Dann werden sie mich zu meiner Mami bringen und die hilft mir bestimmt, das ist eins was sicher ist. Denn bei ihr habe ich nie hungern müssen. Jawohl schreien! Ihr glaubt nicht wie schnell die dann kommen. Ich zeige euch, dass ich schon ganz schön schimpfen kann und zwar so lange bis…ja……..nein nicht meine Puste ausgeht , sondern bis mir endlich einer etwas zu trinken gibt.

Ach wie war das schön bei meiner Mami. Da hatte ich immer zu trinken und wurde gut versorgt. Warm war es auch, schlafen konnte ich wann immer ich wollte und geschaukelt wurde ich auch noch. Und jetzt…….???? Mist !

Jetzt ist bereits eine Woche vergangen, seit ich hier im Krankenhaus geboren bin. Morgen kommt mein Papi. Auf den bin ich mächtig gespannt. Heute morgen ist alles schon ein wenig hektisch hör auf der Station. Vor einer Weile haben sie mich warm eingepackt und in eine Tragetasche gesteckt. Mein Papi ist jetzt endlich auch da. Der sieht richtig Lieb aus. Mit dem werde ich eine viel Spass haben. Mist jetzt haben sie mir auch noch so ein blödes Ding über den Kopf gezogen, Mütze nennen das die Großen. Was das alles soll? Schööön…. jetzt endlich schaukelt es wieder und diesmal schaukelt mich mein Papi das ist richtig toll. Da kann ich gleich wieder einschlafen. Puh, ist das aber kalt und feucht und dämmrig. Jetzt schlaf ich einfach weiter dann merke ich nicht so viel davon.

Wo bin ich? Ist das hier aber komisch und die vielen Sachen um mich herum. Ach ja, die Leute die mich alle anstarren. Da mach ich einfach die Augen wieder zu, dann werden sie bestimmt gehen. So, so, das nennen sie also mein Zuhause. Aber passt mal auf, jetzt stell ich euch erst mal die Familie vor. Da ist erstmal meine Mami. Sie ist noch etwas rundlich, aber ansonsten kann man sich mit ihr schon sehen lassen. Außerdem verstehe ich mich auch ganz gut mit ihr, sie hat mich sehr lieb, lässt mich nicht verhungern, sie schaukelt n mich wenn ich in ihrem Arm lege, singt mir sogar was vorm oder sie trägt mich hin und her, das macht sie auch, einfach ganz selbstverständlich da muss ich gar nicht weinen oder schreien. Also, dass ihr es alle wisst, ab heute geht es mir richtig gut.

So und weiter, da ist mein Papi, der nimmt mich immer auf den arm wenn er nach Hause kommt. Er gibt mir sogar zwischendurch die Flasche. Dann ist da noch mein Patenonkel, der Manfred. der wohnt auch hier im Haus. Der redet immer so laut wenn er kommt und schaut ein wenig lustig drein und hat es schrecklich eilig. Dann der Opa Hugo. Von den erzähl ich euch später noch ein wenig. Er ist der Patriarch sagt meine Mami. Der will immer alles entscheiden. Aber das ist mir egal, ich gehöre nicht zu ihm, er wohnt anderswo. Zuletzt noch mein Omi. Das ist die Mami von meiner Mami. Die ist auch gerade bei uns. Sie will immer alles machen und hat für meine Mami immer gute Ratschläge wie sie es nennt. Ich weiss zwar nicht was Ratschläge sind, aber das hört sich nicht gut an. Egal! Später werdet ihr noch ein paar andere kennenlernen. Aber jetzt bin ich müde und hungrig. Gleich gibt es was und dann schlafe ich wieder.

Einige Wochen später, hatte ich meinen ersten großen Auftritt. Es war inzwischen der zweite November, da gab es ein großes Fest, extra für mich, ein richtiges Fest….. ganz für mich alleine. Da sind noch ein paar andere gekommen um mit mir mitzufeiern. Meine Mami hat mich sehr schön angezogen. Aus ihrem Hochzeitsschleier hatte sie mir ein richtiges schickes langes Kleid gemacht. So angezogen durfte ich wieder in die Tragetasche und dann ist mein Papi mit uns in die Stadt gefahren. In einer großen Halle, mein Papi sagte, das ist eine Kirche, sie heißt übrigens Luther Kirche da haben sie mich dann wie sie sagen auf meinen Namen getauft. Also ich heiße Marcus so haben es meine Eltern gewollt. Mein Opa Hugo , ich habe vorhin schon von ihm erzählt, war damit nicht einverstanden. Aber macht euch nicht daraus, wir kennen das schon, mit was ist der denn schon einverstanden? Irgendwie wollte er, dass ich Hugo so wie er heissen soll. Und am meisten hat ihn geärgert, dass ich keinen Zweitnamen bekommen habe. Meine Eltern haben hier das Sagen und haben sich Gott sei Dank gegen den alten Herrn durchgesetzt. Also, denke ich das ist sein Problem wenn er nicht damit klar kommt. . Hugo!…. wie komme ich dazu so zu heißen… da denken die Leute später doch immer an den Sommergetränk. Ja und dann standen wir mit Tante Renate meinen Eltern und dem etwas Respekteinflössenden Herrn in einer schwarzen Kutte, vor einem Becken, das sie mit Wasser gefüllt hatten. Das haben sie mir auf meine Nase tropfen lassen. Puh, so was verrücktes, für was das wohl gut sein soll, das habe ich nicht verstanden. Und dann hat er noch eine Menge gemurmelt. Ich habe nur verstanden, dass er Marcus zu mir gesagt hat. Das fand ich dann doch ganz nett, dass er meinen Namen genannt hat. Das sei so üblich, hatte mein Papi gemeint und mir als der Mann mit dem Wasser weggegangen war auf meine Nase einen Schmatz gegebne hat und dann war meine Nase wieder trocken. Meine Mami hat mich und den Papi dabei angelächelt. Na, wenn es ihnen Freude macht, soll es mir egal sein.

So sind die Tage vorbeigegangen. Ich durfte jeden Tag mit meiner Mami spazieren gehen und meinen Papi von der großen Firma, wo er gearbeitet hat abholen. Ich hatte inzwischen ein eigenes Auto in dem ich ganz alleine liegen konnte und darin gefahren wurde. Das war lustig! Da haben immer Leute zu mir hinein geschaut und so komische Geräusche gemacht und so gelallt. Es gab natürlich auch andere die mich angelacht haben und dann lachte ich genauso zurück. Man weiss ja , dass man höflich sein muss. Das ist selbstverständlich. Am schönsten war es aber mit meinem Papi zu lachen wenn ich auf seinem Schoss sitzen dürft. Manchmal kam mein Onkel Manfred und brachten einen kleine Buben mit. Zu dem sagte er Uwe, das sei mein Cousin meinten die Erwachsenen. Onkel Manfred hatte dem Uwe verboten mich anzufassen. Aber das war dem sogegal. Wenn Onkel Manfred nicht hinsah, hielt Uwe meine Hand und manchmal gab er mir ein Küsschen darauf. Ach war das alles aufregend.

Nein, ich sage euch, was man alles so lernen muss. Ihr werdet es nicht glauben. jeden Tag gibt es etwas neues zum bestaunen, üben, oder essen und mehr. Sitzen, aufstehen, laufen. Und dann bekommt man nebenher noch so komische Dinger in den Mund, die schrecklich weh tun. Zähne sagen die großen dazu. Da hat doch meine Oma so einen blöden Spruch gesagt: Zähnen würden immer weh tun, die ersten wenn man sie bekommt, wenn die Milchzähne dann ausfallen und die anderen kommen und zum Schluss bekommt man welche vom Zahnarzt und das würde auch weh tun. Man oh man sind das dumme Sprüche. Ein riesiger Aufwand für all die Sachen die man bekommt, tun muss und lernen muss. Ich gehe lieber mit meiner Mami spazieren, die erzählt mir dann Geschichten, zeigt mir schöne Dinge, vor allem Autos. Die gefallen mir besonders gut. Wenn ich groß bin will ich auch so ein Auto haben. Hunger habe ich auch immer. Dann gibt es sowas komisches zum trinken. Ich mag aber lieber mit dem Löffel etwas zu essen haben. Das schmeckt besser und danach bin ich wenigstens auch richtig satt.

Oh ich habe euch noch gar nicht von meinem Freund Rando erzählt. Das ist der Wau. Er wohnt im Garten bei meinem Opa. Und wenn er raus kommt sagt er immer Wau, oder manchmal ganz viel wau, wau, wau….. Aber das macht er nur wenn Fremde auf den Hof kommen. Die mag er nicht. Aber mich mag er. Ich habe auch gar keine Angst vor ihm. Manchmal träume ich sogar, dass wir zusammen spielen. Doch meine Mami sagt, da müsse ich noch ein wenig wachsen bis das geht. Aber Wau kann ich schon sagen, sogar Papi, Ada und „Mam.“ Mam heisst aber alles, das ist am einfachsten. Meine Eltern verstehen das wirklich und wissen auch was ich damit meine. Das heisst Hunger, müde, Auto, Opa, Onkel und Uwe….ach ja noch ein wenig mehr, doch das verrate ich euch nicht. Außerdem mit dem reden habe ich es sowieso nicht so sehr. Ich kann besser zeigen was ich will. Und meine Eltern verstehen das auch recht gut. Oh ja und böse kann ich auch gucken, wenn ich will. Besonders böse schaue ich wenn mit die Leute immer so komisch anreden, mit dududu, blablabla und so guziguzi und dann noch betatschen. Das mag ich gar nicht. Die einzigen die mit mir normal reden, das ist mein Papi und meine Mami.

Nun habe ich schon wieder bald ein großes Fest. Da kommen mein Onkel Manfred, meine Tante Renate mein Cousin Ralf und Uwe ach ja und meine Oma aus dem Schwäbischen. Ich habe bald Geburtstag und werde jetzt ein Jahr alt. Das ist ein echt wichtiger Geburtstag. Soll ich euch erzählen wie ich allen gezeigt habe was ich alles schon kann? Genau an meinem ersten Geburtstag bin ich zum ersten Mal freihändig alleine auf meinen beiden Beinen gestanden. Oh, dann habe ich sie alle auch dabei noch richtig angelacht , als sie mich ein wenig belämmert angeschaut haben, wie wenn ich von einem anderen Stern komme. Das war eine Freude für mich. Ich habe sie alle ein wenig verunsichert, außer meinen Papi und meine Mami. Die waren Stolz wie Bolle und haben sich sehr gefreut. Das stehen habe ich natürlich geübt und dann bin ich auch kurze Zeit später gelaufen Zwar hat mein Papi mich immer ein wenig gestützt und mir einen Finger an dem ich mich gehalten habe gegeben, aber später nahm ich den nur noch wenn ich es eilig hatte. Wenn mir das dann zu langsam ging, lies ich mich einfach auf meine Windelpaket fallen und bin weggerutscht, das ging schneller. Man haben wir alle gelacht, das war oft richtig lustig. Ach von meinen Geburtstagsgeschenken habe ich euch noch nichts erzählt. Schicke tolle Schuhe haben ich bekommen und einen Hampelmann und Bauklötze. Aber am schönsten war der Wellensittich. Der sah genauso aus wie der den wir in der Küche im Käfig hatten. Der hieß übrigens Spezi. Den hatte mein Papi mitgebracht als er meine Mami geheiratet hat, sagte er. Die klotze konnte man übereinander stellen und umwerfen. Das machte einen weiten Krach, aber es war toll. Wenn die umgefallen sind habe ich immer laut gelacht und gekreischt, weil es so lustig war. Das machte dann so richtig schön klack, klack. Jetzt reicht es mir aber. Ich habe schon viel zu viel euch heute erzählt. Jetzt bin ich müde, mein Geburtstag war schön und jetzt gehe ich mit meinem Teddy in die Heia. Tschüss bis zum nächsten Mal.

Ach ja, ich wollte euch nur sagen ich habe mir nicht weh getan als ich umgefallen bin. Ich habe nur einen großen Schreck bekommen und meine Mami hat mich auch gleich auf den Arm genommen und getröstet. Aber ich lasse euch jetzt noch ein Bild zum Schluss da, mit meinem Cousin Uwe und meine Cousine Eva. Die hat mich immer so fest gehalten und das mochte ich gar nicht. und noch was, die Aufnahmen sind nicht immer alle so gut, aber als ich geboren wurde gab es noch keine Digitalen Fotos und die Bilder aus dieser Zeit sind teilweise verschwommen und auch nicht so gute Aufnahmen. Abe Regal es machte trotzdem Freude, euch die Geschichte von mir zu erzählen, die meine Mami damals schon aufgeschrieben hat. Also…..macht’s mal gut

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